Die Geschichte von 17;30

Vier Frauen an der Elbe im hochsommerlichen Hamburg, eigentlich kein Ort, um über das Geschäft nachzudenken. Und dennoch ließen sie sich den Wein an der Bar der Strandperle schmecken, Anja, die Augenoptikerin, Annett, die Köchin, Versicherungskauffrau Kathrin und Anna, der kreative Kopf. Die Laune war prächtig, an guten Ideen kein Mangel und um Punkt halb sechs stand der Entschluss fest: Wir machen auf Accessoires, schöne handgefertigte Armbänder.

Anna Upleger erzählt die Geschichte in ihrem Büro im Hamburger Stadtteil Hamm-Süd,

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ein Kontorhaus mit Fleetblick, wie der Vermieter die Immobilie einst angepriesen hat. Hier, auf zwölf Quadratmetern, beginnt 2011 eine der charmantesten Neugründungen der jüngeren Zeit, das Label 17;30, benannt nach dem Moment, in dem die Hamburgerinnen ihren Einfall hatten.

Warum dann der Semikolon? Weil ein Doppelpunkt zu nah an der Uhrzeit gewesen wäre, sagt Upleger, und die Uhrzeit lässt sich als Marke nicht schützen. Die Uhrzeit als Marke aber finden die Frauen gut, es ist die Zeit des nahenden Feierabends, der Übergang zur Freizeit. Sehr positiv besetzt, sagt Upleger, die Inhaberin ist und eine ausgesprochene Frühaufsteherin. Sehr zum Leidwesen ihrer Mitarbeiterinnen, im Wesentlichen das Gründerquartett, das dem Biorhythmus der Chefin folgend halt auch mal den frühen Morgenflieger besteigen muss.

Aber was tut man nicht alles für den Erfolg. Der lässt nicht lange auf sich warten. Schnell wächst das Büro auf 50, schließlich auf 200 Quadratmeter, der handgefertigte Schmuck mit hanseatischem Flair kommt gut an – was zunächst und vor allem an der Chefin liegt. Daheim in Bremen betreibt die Familie Einzelhandelsgeschäfte für die anspruchsvolle Kundin. Dadurch hat sie den Messerhythmus verinnerlicht und Trends zu erkennen gelernt, sagt Upleger. Sie macht den Abschluss zur Industriekauffrau, übernimmt früh Verantwortung im Vertrieb, hängt später noch ein Studium zur Textilbetriebswirtin dran.

Und weil sich nicht alles planen lässt, spielt den Frauen auch das Glück in die Hände. Armbänder sind plötzlich mächtig angesagt, selbst Männer fangen an, sich die bunten, filigranen Flechtwerke aus Bootstampen und weichem Rindsleder ums Handgelenk zu wickeln.

Man muss sich 17;30 als sehr sympathisches Startup vorstellen; wie jede für die andere einsteht, auf Messen geht, bei den Kollektionen und an der Kataloggestaltung mitwirkt. Gefertigt wird in kleinen Stückzahlen, ausgeliefert in einer schönen Metalldose, die ein Schiff mit Anker und Zange schmückt. Ein Hinweis auf den erfreulich handwerklich ausgerichteten Geist des Unternehmens, das von geschulten Hausfrauen in Heimarbeit fertigen lässt. Der Feinschliff erfolgt in Uplegers Agentur – Branding, Etikettierung und Verpackung. Nicht einmal den Silberpart gibt sie aus der Hand; die Magnetverschlüsse, Knebel, Binderinge und Kappen stammen aus dem agentureigenen Schmuckgroßhandel. „Da können wir natürlich viel mit Formen, Farben und Materialien experimentieren“, sagt Upleger.

Inspiration bezieht sie von ihren Reisen, die sie zum Beispiel nach London oder Barcelona führen. Dort sitzt sie gerne in Cafés und beobachtet Menschen, liest ihren Stil – und zieht daraus die richtigen Schlüsse für, sagen wir mal, ein eher mitteleuropäisch verankertes Geschmacksempfinden. „Wobei wir nicht kopieren“, wie die 17;30-Frontfrau flugs hinterherschickt. „Wir sind schon mit mehr Kreativität gesegnet“, sagt Upleger und lacht.

Mittlerweile ist das Quartett beruflich enger verbandelt. Anja hat ihren Brotberuf sogar an den Nagel gehängt, die Firma ernährt nicht mehr nur die Agenturinhaberin. Es geht ja auch längst nicht mehr nur um ein paar Bändchen. Es geht um viele verschiedene Bändchen, um neue Designs, um Kombinationen aus Textil und Leder zum Beispiel, die diesen Sommer auf den Markt kommen sollen. Es geht um Kooperationen wie mit dem Designer Guido Maria Kretschmer, für dessen Kollektion die Hanseatinnen einige Accessoires gefertigt haben.

Natürlich geht es auch darum, weitere Fachhändler an Land zu ziehen. Ihnen die Gewissheit zu geben, dass ein kleines, feines Unternehmen, dem nach wie vor dieser charmante Werkstattcharakter anhaftet und bei dem die Gründerinnen immer auch selber Hand anlegen, ein zuverlässiger Handelspartner ist. Die Preise jedenfalls sprechen für sich. Die Umtriebigkeit sowieso. Anna Upleger hat schon eine App für 17;30 im Sinn; gut vorstellbar, dass das Sortiment um Tücher oder Halsketten erweitert wird.

Und dann gibt es ja noch die „Mighty Purse“, eine Clutch mit eingebauter Batterie, um das Smartphone stilvoll aufzuladen. Uplegers Agentur kümmert sich nicht nur um den Vertrieb der modischen Handtasche, sie trägt auch die Handschrift der Hamburgerin.

Das aber ist eine andere Geschichte. Und die ist nicht so charmant wie die vom Elbstrand im Sommer 2011.

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17;30 für Toni Dress

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